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Fortsetzung: Geschichte des TV Kaldauen 1906 e.V.

Teilnahme an den festgesetzten Turnübungen war gemäß dieser Satzung übrigens Pflicht, denn wer »dreimal nacheinander fehlte ohne genügende Entschuldigung beim Turnwart« bekam nach erfolgloser Mahnung durch Turnwart und Vorstand »das Stimmrecht entzogen. Der Turnwart hatte dementsprechend über die Teilnehmer genau Buch zu führen. Interessanterweise fand diese Bestimmung allerdings in der Ursprungssatzung bei verheirateten Turnern keine Anwendung, war aber in der Satzung von 1966 durch folgende Entschuldigungsgründe ersetzt: »Wechselschicht, Krankheit, Todesfall in der Familie, Unwette«. Erst mit der Satzung von 1972, deren Grundzüge noch heute gelten, verschwand die verpflichtende Teilnahme an den Turnübungen.

Der Beitrag betrug zu Anfang übrigens 25 Pfennig im Monat, das Eintrittsgeld 1,00 Mark.
Dementsprechend bescheiden waren auch die Anfänge des Turnbetriebs mit zunächst Bodenturnen und Freiübungen, und nur durch eine großzügige Spende konnten die ersten Geräte (Pferd, Barren und Reck sowie 1 Schleuderball) für 308 Mark erworben werden, was die Sportmöglichkeiten deutlich erweiterte. Dadurch stieg auch die Mitgliederzahl bis Ende 1909 auf beachtliche 83 (angesichts einer Einwohnerzahl von etwa 300).

Man nahm regelmäßig an den mehrmals im Jahr stattfindenden Bezirks- und Gauturntagen der Umgebung teil von Ruppichterroth bis Euskirchen und Köln-Mühlheim und organisierte selbst am 09.06.1912 in Kaldauen das Turnfest des Sieg-Rhein-Gaues. Wahrscheinlich überwog dabei die Turnerzahl deutlich die Zahl der Einwohner des damals noch von Siegburg unabhängigen kleinen Dorfes.

Das Vereinsleben war sehr rege, und so bewirkte man am 8. Mai 1922 die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht (damals noch in Hennef). Interessant sind dabei die (gerichtlich protokollierten) Berufe der Vorstandsmitglieder: 2 Lehrer, 2 Anstreicher bzw. Lackierer, je 1 Fabrikarbeiter, Schlosser, Schmlzer (?), Lokomotivheizer und Registraturassistent ...

Während der beiden Weltkriege kam der Turnbetrieb dann allerdings völlig zum Erliegen, zumal auch die am 29. Mai 1927 eingeweihte, in Eigenarbeit erstellte, vereinseigene Holz-Turnhalle stark beschädigt wurde. Davor hatte der Turnbetrieb im Saal der Gaststätte Braun (vormals Junkersfeld) stattgefunden. Die Halle wurde zwar nach dem 2.Weltkrieg durch die Mitglieder rasch wieder aufgebaut, neue Geräte beschafft und der Turnbetrieb wieder aufgenommen. Ende 1960 mußte sie aber wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Das aktive Vereinsleben kam damit erneut völlig zum Erliegen.
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